20070321

Land der Atheisten?

"Die Hälfte der Tschechen glaubt nicht an Gott. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage, die vom Meinungsinstitut STEM durchgeführt wurde. Demnach bezeichnen sich 50 Prozent der befragten Tschechen als Atheisten und 26 Prozent als Gläubige. 24 Prozent wollen sich bei der Gottes-Frage nicht festlegen. Die Umfrage bestätigt ähnliche Ergebnisse der vergangenen Jahre und zeigt auch, dass nach wie vor Frauen religiöser als Männer sind. Mehr als die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass eine Kirche für einen „modernen Menschen“ nicht notwendig sei. Befragt wurden 1222 Tschechen, die älter als 18 Jahre alt sind."
Quelle: Katholische Nachrichten

Es stellt sich die Frage, warum sind soviele Tschechen Atheisten. In Polen bekennen sich 82 % zum katholischen Glauben. ImVergleich zu Statistiken in Wikipedia ist der Anteil an Atheisten in Tschechien an der Gesamtbevölkerung verhältnismäßig groß: "Nimmt man die religiöse Selbsteinschätzung der Bürger in Umfragen als Maßstab, so liegt in den Ländern der Europäischen Union der Anteil „überzeugter Atheisten“ bei ca. 5 %. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten in Frankreich (14,6 %), und den neuen Bundesländern Deutschlands (21,7 %).[6] In den USA liegt die Zahl überzeugter Atheisten bei 1,2 % (Stand hier: 1990)."

Erklärung hierfür ist u. a. das Verbot der Katholischen Kirche während der kommunistischen Diktatur, in der der "Atheismus" fast als Staatsreligion galt, da kein Glaube anerkannt wurde. Es kam zu Verfolgungen und Unterdrückungen von Gläubigen.

Ich möchte an dieser Stelle Pavel Cernoch zitieren, der dieses Thema seinem Aufsatz "Europa an den Ufern der Moldau - Deutschland und die Europäische Union aus tschechischer Sicht" kurz anspricht:

"Als ich neulich nach Deutschland fuhr, fragte mich eine ältere Dame im Zug, warum wir Tschechen so ein gottloses Volk seien. Während die Polen doch gute Katholiken seien, herrsche bei uns der blanke Atheismus. Ich begann meinen Versuch, ein wenig Farbe in dieses schwarz-weiße Bild zu bringen, mit der tschechischen Reformation unter Jan Hus im frühen 15. Jh, dem Prager Fenstersturz im Jahre 1618 und der kläglichen Niederschlagung der böhmischen Prostestanten durch die Katholische Liga bei der Schlacht auf dem Weissen Berg 1620. Ich wollte gerade noch etwas über den Widerstand gegen die Re-Katholisierung unter den Jesuiten in 17. Jh. sagen, als ich bemerkte, wie sich die Mine meiner Gesprächspartnerin bei dem Wort “Hussiten” in einer Weise verzog, die erahnen ließ, daß vor Ihrem geistigen Auge nicht etwa Bilder von Martin Luther und der Reformation vorbeizogen, sondern eher grausige Vorstellungen von asiatischen Horden von Hunnen, Türken, Tataren oder gar der Roten Armee."

Links:
Wikipedia - Atheismus
atheismus-info.de



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich kann eine Sache nicht verstehen-- 24%Tschechien sagt sie sind nicht festlegend in der Frage des Gottes. Meine Meinung ist dass sie entweren an Gott glauben oder nicht glauben aber nichts in der Mitte...

Bachiri hat gesagt…

Ich glaube eher, dass es wie mit vielen Dingen im Leben ist. Einmal ist man davon überueugt und am nächsten Tag zieht man es in Zweifel. Auf die Religion bezogen ist es vielleicht schwieriger nachzuvollziehen, dass jemand sich nicht auf die Frage, ob Sie an Gott glauebn, festlegen können. Vielleicht hängt es auch mit dem Phänomen zusammen, dass wenn es dem Menschen schlechter geht, er tendenziell ehe an Gott glaubt.

KORREKTUR hat gesagt…

An "Anonym": Du behauptest, es gäbe keine "Mitte" zwischen Gottglaube und Nicht-Gottglaube. Aber es gibt in der Tat zwischen Atheismus und Theismus viele Formen von der Vorstellung einer "höheren Kraft". Nicht zuletzt den Agnostizismus, der weder die Existenz, noch die Nicht-Existenz Gottes ausschließt.